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AltWeiberSommer

Auf der Suche nach der verborgenen inneren Wahrheit von Dingen und Prozessen, die hinter dem trügerischen Schein äußerer Begehrlichkeit liegt, erzählt Barbara Baumann mit ihren Arbeiten ihre ureigensten Geschichten von Lebenskreisläufen und -erfahrungen. Die Erzählweise ist nicht geschwätzig, sondern eher versponnen, so dass jeder Betrachter in die Freiheit der freien Ausdeutung eintauchen kann. Da mischt sich Ernst mit Heiterkeit, Phantasie mit Poesie. Leiser Humor, der zuweilen in Ironie umschlägt, eine Ästhetik, die einem mitunter den Atem nimmt, eine Romantik, die den Alltag vergessen lässt und eine verschwiegene Melancholie, die nicht mit Weltschmerz zu verwechseln ist, machen den unverwechselbaren Reiz der Arbeiten aus.

Die Bildhauerin Barbara Baumann verwandelt den Fetisch Damenhandtasche mit spielerischer Freude und ausgelassenem Hintersinn in aufregende Gehäuse für allerlei Spinnengetier, und das ist anziehend und irritierend zugleich. Die Objekte ihrer Begierde sind aus Eisen gebogen und verschweisst, mit Zement verputzt und farbig gefasst. Aus ihnen ergießen sich kleine, in Farbe getränkte Spinnen, unter ihnen hausen in Schattenfugen Spinnen, in ihnen sind Gewölle mit Gelegen sichergestellt. Damenhandtaschen besitzen die Form von Insekten mit haarigen Tentakeln, sie weisen zuweilen die Gestalt von Insektenpaarungen auf in trauter Verbundenheit. Daneben existieren ein staubmilbenartiges Schalentier, acht unbeholfen auf dem Rücken liegende Käfer, ein gespenstisches Rochentier und noch ein dunkles Etwas mit Stacheln oder Tentakeln, eine gefräßige Spinne, in deren Schlund sich eine kleinere, nichtsahnend, an einem Faden ablässt, ein monströser Sauger. Einerseits bricht Barbara Baumann mit Klischeevorstellungen, andererseits ist sie Formen auf der Spur, die Angst einflößen. So verwandelt sie auch das Unwort Ungeziefer in das harmlose, mit keinerlei Assoziationen verbundene Wort Geziefer.

Die Künstlerin ist sensibel und humorvoll Deutungen und Bedeutungen von Begrifflichkeiten auf der Spur, mit plastisch einprägsamen Umdeutungen, die Vorurteile und geistige Verwerfungen in Frage stellen, fasziniert von der Asthetik geheimnisvoller, aber negativ besetzter Formen. So wird einem Alptraum letztlich der Alpdruck genommen und durch spielerische Neugier beim Betrachter ersetzt. Ihre plastischen Arbeiten werden von farbigen Holzdrucken ergänzt ...


Karin Weber, Kunsthistorikerin, April 2001
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